Welche Berufe gibt es in der Pflege?

Jessica Koch ·
Krankenschwester in hellblauen Scrubs unterstützt behutsam einen älteren Patienten in einem hellen Pflegeheim-Korridor.

Die Pflege ist eines der vielfältigsten Berufsfelder in Deutschland. Wer sich für einen Einstieg interessiert, steht oft vor einer langen Liste an Berufsbezeichnungen und fragt sich: Was steckt eigentlich dahinter? Welche Ausbildung passt zu mir? Und welche Möglichkeiten gibt es, wenn ich als Quereinsteiger neu anfangen möchte? Dieser Artikel gibt Ihnen einen klaren Überblick, von den Grundlagen der Pflegeberufe bis hin zu konkreten Wegen in die Praxis.

Sie erfahren, welche anerkannten Ausbildungsberufe es gibt, wie Spezialisierungen und Karrierewege aussehen und was eine Umschulung in der Pflege bedeutet. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie die Ausbildung finanziert werden kann und warum Pflege langfristig ein sicheres Berufsfeld ist.

Was sind Pflegeberufe und welche Bereiche umfassen sie?

Pflegeberufe umfassen alle Tätigkeiten, die darauf ausgerichtet sind, Menschen bei der Erhaltung, Wiederherstellung oder Unterstützung ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit zu begleiten. Das klingt zunächst abstrakt, ist aber im Alltag sehr konkret: Es geht um die Versorgung kranker Menschen im Krankenhaus, die Betreuung älterer Menschen in Pflegeheimen oder die ambulante Unterstützung von Personen, die zu Hause gepflegt werden möchten.

Grundsätzlich lassen sich Pflegeberufe in drei große Bereiche einteilen:

  • Altenpflege: Betreuung und Versorgung älterer Menschen in stationären Einrichtungen oder im häuslichen Umfeld
  • Krankenpflege: Pflege und Unterstützung von Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Kliniken oder Rehabilitationseinrichtungen
  • Kinderkrankenpflege: Spezialisierte Pflege von Kindern und Jugendlichen in pädiatrischen Einrichtungen

Hinzu kommen ergänzende Bereiche wie die Betreuung von Menschen mit Behinderungen sowie die häusliche Pflege durch ambulante Dienste. Pflegeberufe sind also weit mehr als ein einzelnes Berufsbild. Sie bilden ein breites Spektrum an Tätigkeiten, das unterschiedliche Interessen und Stärken ansprechen kann.

Welche anerkannten Ausbildungsberufe gibt es in der Pflege?

Im deutschen Pflegesystem gibt es staatlich anerkannte Ausbildungsberufe mit klar geregelten Abschlüssen. Die wichtigsten davon sind:

Pflegefachkraft (Pflegefachmann / Pflegefachfrau)

Seit der Reform des Pflegeberufegesetzes 2020 ersetzt die generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft die früheren getrennten Ausbildungen in Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Die Ausbildung dauert drei Jahre und schließt mit einem staatlich anerkannten Abschluss ab. Sie ist dual aufgebaut, das heißt: Theorie an der Pflegeschule und Praxis in einem Ausbildungsbetrieb wechseln sich ab.

Pflegehelfer / Pflegehilfe

Die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer ist der schnellste Weg in die Pflege. Pflegehelferinnen und Pflegehelfer unterstützen Pflegefachkräfte bei der Grundpflege und Betreuung. Diese Ausbildung eignet sich besonders für Menschen, die zunächst Einblick in das Berufsfeld gewinnen möchten, bevor sie sich für eine längere Ausbildung entscheiden.

Pflegefachassistenz (ab 2027)

Ab 2027 wird eine neue, bundesweit einheitliche Ausbildung eingeführt: die Pflegefachassistenz. Sie löst die bisher je nach Bundesland unterschiedlich geregelten Helferausbildungen ab, darunter Pflegehelfer, Altenpflegehelfer, Krankenpflegehelfer und Pflegeassistenten. Ziel ist ein einheitliches Berufsbild, das überall in Deutschland anerkannt wird.

Betreuungskraft nach § 53b SGB XI

Betreuungskräfte sind keine Pflegefachkräfte im klassischen Sinne, spielen aber eine wichtige Rolle in der Versorgung. Sie begleiten und betreuen Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, zum Beispiel Personen mit Demenz. Der Einstieg erfolgt über eine spezifische Qualifizierung, keine dreijährige Ausbildung.

Spezialisierungen und Karrierewege in der Pflege

Wer eine Pflegeausbildung abgeschlossen hat, steht nicht am Ende eines Weges, sondern am Anfang. Aufbauend auf dem Grundberuf gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Spezialisierung und zum beruflichen Aufstieg.

Zwei besonders relevante Karrierewege für erfahrene Pflegefachkräfte sind:

  • Verantwortliche Pflegekraft nach § 71 SGB XI: Diese Qualifizierung bereitet auf leitende Positionen in Pflegeeinrichtungen vor. Inhalte sind unter anderem Führung und Leitung, Qualitätsmanagement, rechtliche Grundlagen und Pflegewissenschaft. Voraussetzung ist eine mindestens zweijährige Berufserfahrung.
  • Praxisanleiter in der Pflege: Wer Auszubildende professionell begleiten und fördern möchte, kann sich zur Praxisanleiterin oder zum Praxisanleiter qualifizieren. Diese Funktion ist im Pflegeberufegesetz verankert und für die Qualität der Ausbildung unverzichtbar.

Darüber hinaus sind Spezialisierungen in Bereichen wie Geriatrie, Gerontopsychiatrie, Intensivpflege oder Palliativpflege möglich. Wer in der Pflege arbeitet, hat also langfristig viele Möglichkeiten, sich fachlich weiterzuentwickeln.

Umschulung zur Pflegefachkraft: Ablauf und Voraussetzungen

Eine Umschulung zur Pflegefachkraft richtet sich an Menschen, die bereits in einem anderen Beruf gearbeitet haben und nun vollständig neu starten möchten. Im Unterschied zur klassischen Ausbildung ist die Umschulung auf Erwachsene zugeschnitten und in der Regel kürzer, da bereits vorhandene Kompetenzen angerechnet werden können.

Der Ablauf einer Umschulung folgt im Wesentlichen diesen Schritten:

  1. Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter zur Klärung der Fördervoraussetzungen
  2. Auswahl eines zugelassenen Bildungsträgers und Einholung eines Bildungsgutscheins
  3. Beginn der Umschulung mit theoretischen und praktischen Ausbildungsanteilen
  4. Abschlussprüfung und staatlich anerkannter Abschluss als Pflegefachmann oder Pflegefachfrau

Für die Zulassung zur Umschulung gelten in der Regel folgende Voraussetzungen:

  • Hauptschulabschluss oder vergleichbarer Schulabschluss, alternativ eine abgeschlossene Berufsausbildung
  • Gesundheitliche und persönliche Eignung für den Pflegeberuf
  • Ausreichende Deutschkenntnisse

Ein häufiges Missverständnis ist, dass eine Umschulung nur für jüngere Menschen geeignet sei. Das stimmt nicht. Alter ist kein Ausschlusskriterium. Entscheidend ist die persönliche Eignung und die Bereitschaft, sich auf einen neuen Berufsweg einzulassen.

Finanzierung und Förderung der Pflegeausbildung

Die Frage nach der Finanzierung ist für viele Menschen der erste Stolperstein auf dem Weg in die Pflege. Dabei gibt es gut zugängliche Fördermöglichkeiten, die eine Ausbildung oder Umschulung finanziell absichern können.

Bildungsgutschein

Arbeitssuchende können über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter einen Bildungsgutschein beantragen. Mit diesem Gutschein können die Lehrgangskosten einer Umschulung oder Weiterbildung zu 100 Prozent übernommen werden. Voraussetzung ist, dass der Bildungsträger nach AZAV zugelassen ist, was sicherstellt, dass die Qualität der Maßnahme geprüft wurde.

Qualifizierungschancengesetz

Für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die sich weiterbilden möchten, greift das Qualifizierungschancengesetz. Die Agentur für Arbeit kann dabei bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten übernehmen und zusätzlich Zuschüsse zum Arbeitsentgelt während der Qualifizierung leisten. Den Antrag stellt in diesem Fall der Arbeitgeber.

Ausbildungsvergütung

Wer eine duale Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, erhält während der gesamten Ausbildungszeit eine Vergütung vom Ausbildungsbetrieb. Das bedeutet: Schon während der Ausbildung gibt es ein geregeltes Einkommen.

Warum Pflege ein zukunftssicherer Beruf ist

Pflegeberufe gehören zu den Berufsfeldern mit der stabilsten Nachfrage in Deutschland. Der Grund dafür ist demografisch: Die Bevölkerung wird älter, der Bedarf an Pflegeleistungen steigt kontinuierlich. Laut Bundesagentur für Arbeit fehlen dauerhaft über 40.000 Pflegekräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das Statistische Bundesamt projiziert, dass bis 2034 rund 90.000 Pflegekräfte fehlen könnten.

Was bedeutet das für Sie als Quereinsteiger oder Umschüler? Die Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz nach der Ausbildung sind in der Pflege deutlich besser als in vielen anderen Berufsfeldern. Gleichzeitig bietet die Pflege etwas, das viele Menschen in ihrer Arbeit suchen: einen direkten, sinnstiftenden Beitrag zum Wohlbefinden anderer Menschen.

Hinzu kommt die regionale Flexibilität. Pflegefachkräfte werden überall gebraucht, in Städten genauso wie in ländlichen Regionen. Wer eine anerkannte Pflegeausbildung abgeschlossen hat, ist bundesweit mobil einsetzbar. Das schafft eine Jobsicherheit, die in vielen anderen Branchen so nicht existiert.

Pflegeausbildung mit dem VHS-Bildungswerk starten

Wir vom VHS-Bildungswerk begleiten Menschen, die in die Pflege einsteigen möchten, von der ersten Orientierung bis zum anerkannten Abschluss. Über unser Institut für Pflegeberufliche Bildung bieten wir sowohl die grundständige Ausbildung als auch Umschulungen und Weiterbildungen an zwei Standorten in Thüringen an.

Was wir konkret anbieten:

  • Dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft mit dualer Struktur und Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb
  • Einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer als schneller Einstieg in das Berufsfeld
  • Umschulung zur Pflegefachkraft, gefördert über Bildungsgutschein, für Arbeitssuchende und Quereinsteiger
  • Weiterbildungen für erfahrene Pflegefachkräfte, zum Beispiel zur verantwortlichen Pflegekraft oder zum Praxisanleiter
  • Individuelle Betreuung durch engagierte Lehrkräfte mit Praxiserfahrung und eine familiäre Lernatmosphäre
  • Zertifizierung nach ISO 9001 und AZAV-Zulassung als Qualitätsnachweis

Unsere Pflegeausbildung in Gotha sowie die Pflegeausbildung in Leinefelde richten sich an alle, die einen verlässlichen Neustart im Pflegebereich suchen, unabhängig davon, ob Sie gerade am Anfang Ihrer Überlegungen stehen oder bereits konkrete Pläne haben. Wenn Sie wissen möchten, welcher Weg für Sie der richtige ist, vereinbaren Sie gerne ein Beratungsgespräch mit uns. Wir helfen Ihnen, den nächsten Schritt zu planen.

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