Welche beruflichen Chancen bietet die Pflege?

Jessica Koch ·
Krankenschwester in hellblauen Scrubs unterstützt behutsam eine ältere Patientin in einem modernen, hellen Pflegeheim-Korridor.

Die Pflege bietet in Deutschland sehr gute berufliche Chancen: sichere Arbeitsplätze, ein breites Spektrum an Tätigkeitsfeldern und klare Aufstiegswege. Der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften wächst stetig, und Quereinsteiger sind ausdrücklich willkommen. In diesem Artikel beantworten wir die häufigsten Fragen rund um Pflegeberufe, Ausbildung, Förderung und Gehalt.

Wie groß ist der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland?

Der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland ist sehr hoch und wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Laut Bundesagentur für Arbeit fehlen dauerhaft über 40.000 Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt. Projektionen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass bis 2034 rund 90.000 Stellen unbesetzt bleiben könnten, wenn nicht mehr Menschen in die Pflege einsteigen.

Der Grund für diesen anhaltenden Mangel ist eine Kombination aus demografischem Wandel und einer alternden Gesellschaft: Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig, während gleichzeitig viele erfahrene Pflegekräfte in den Ruhestand gehen. Das bedeutet für alle, die jetzt in die Pflege einsteigen: Die Jobsicherheit ist außergewöhnlich hoch, und die Nachfrage nach gut ausgebildetem Personal bleibt langfristig stabil.

Für Arbeitssuchende und Quereinsteiger ist das eine echte Chance. Wer sich jetzt für eine Pflegeausbildung oder Umschulung entscheidet, tritt in einen Bereich ein, in dem qualifizierte Fachkräfte dringend gesucht werden.

Welche Pflegeberufe kann man als Quereinsteiger erlernen?

Als Quereinsteiger können Sie in Deutschland verschiedene Pflegeberufe erlernen, von der Pflegefachassistenz bis zur vollständigen Ausbildung zur Pflegefachkraft. Der Einstieg ist auf unterschiedlichen Qualifikationsstufen möglich, sodass Sie je nach Voraussetzungen und Zielen den passenden Weg finden.

Pflegefachassistenz

Ab dem 1. Januar 2027 tritt das neue Pflegefachassistenzgesetz in Kraft. Die Ausbildung zur Pflegefachassistenz wird dann bundesweit einheitlich geregelt und löst bisherige Helferberufe wie Pflegehelfer, Altenpflegehelfer und Krankenpflegehelfer ab. Pflegefachassistentinnen und -assistenten unterstützen das Pflegefachpersonal bei Routineaufgaben: Sie kontrollieren Vitalwerte wie Puls, Temperatur und Blutzucker, helfen bei der Körperpflege und Nahrungsaufnahme, führen auf ärztliche Anweisung einfache medizinische Maßnahmen durch und dokumentieren ihre Beobachtungen. Die Ausbildung dauert in Vollzeit 18 Monate, in Teilzeit bis zu 36 Monate.

Pflegefachkraft

Die Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann ist der umfassendste Einstieg in die Pflege und dauert drei Jahre. Sie qualifiziert für die Arbeit in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und im ambulanten Bereich. Wer bereits berufstätig ist oder aus einem anderen Bereich wechselt, kann alternativ eine Umschulung zur Pflegefachkraft absolvieren, die speziell auf Erwachsene mit Berufserfahrung zugeschnitten ist.

Wie lange dauert eine Umschulung in der Pflege?

Eine Umschulung in der Pflege dauert je nach Abschluss und Anbieter zwischen einem und drei Jahren. Die Umschulung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann umfasst in der Regel rund 4.600 Stunden über etwa 151 Wochen, davon 2.500 Stunden Praktikum in einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus.

Kürzere Wege gibt es ebenfalls: Die Ausbildung zur Pflegefachassistenz dauert in Vollzeit 18 Monate. Wer bereits Erfahrung in der Pflegehilfe mitbringt und die Externenprüfung ablegen möchte, kann außerdem einen Vorbereitungskurs Pflegehilfe mit 200 Theoriestunden belegen, der in Teilzeit stattfindet.

Wichtig zu wissen: Die Dauer hängt auch davon ab, ob Sie in Vollzeit oder Teilzeit lernen. Teilzeitmodelle verlängern die Ausbildungszeit, ermöglichen aber eine bessere Vereinbarkeit mit familiären oder anderen Verpflichtungen.

Wie wird eine Pflegeumschulung finanziell gefördert?

Eine Pflegeumschulung kann in vielen Fällen vollständig oder zu einem großen Teil gefördert werden. Arbeitssuchende können über einen Bildungsgutschein des Jobcenters oder der Agentur für Arbeit die Kosten zu 100 Prozent abdecken lassen. Dieser Gutschein gilt für zugelassene Maßnahmen bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern.

Folgende Fördermöglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung:

  • Bildungsgutschein: Für Arbeitssuchende und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen übernimmt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Lehrgangskosten vollständig.
  • Qualifizierungschancengesetz: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte können über dieses Gesetz gefördert werden. Die Agentur für Arbeit übernimmt bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten sowie Zuschüsse zum Arbeitsentgelt während der Qualifizierung. Den Antrag stellt der Arbeitgeber.
  • Zuschüsse der Agentur für Arbeit: Auch für Vorbereitungskurse wie den Vorbereitungskurs Pflegehilfe sind Zuschüsse durch die Agentur für Arbeit möglich.

Wenn Sie unsicher sind, welche Förderung für Sie in Frage kommt, lohnt sich ein frühzeitiges Gespräch mit Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter. Die Voraussetzungen für eine Förderung sind in den meisten Fällen ein Hauptschulabschluss oder ein vergleichbarer Abschluss sowie ausreichende Deutschkenntnisse und die gesundheitliche Eignung.

Was verdient man als Pflegekraft in Deutschland?

Das Gehalt als Pflegekraft in Deutschland hängt von der Qualifikation, dem Arbeitgeber und der Region ab. Pflegefachkräfte mit staatlich anerkanntem Abschluss verdienen in der Regel deutlich mehr als Pflegehilfskräfte, und Positionen mit Leitungsverantwortung werden entsprechend höher vergütet.

Als grobe Orientierung gilt: Pflegehilfskräfte und Pflegefachassistenten starten mit einem Einstiegsgehalt, das je nach Tarifvertrag und Einrichtung variiert. Ausgebildete Pflegefachkräfte erzielen ein spürbar höheres Einkommen, das mit zunehmender Berufserfahrung steigt. Wer sich zur verantwortlichen Pflegekraft weiterqualifiziert oder eine Leitungsposition übernimmt, kann nochmals deutlich mehr verdienen.

Viele Pflegeeinrichtungen zahlen nach Tarifvertrag, zum Beispiel nach dem TVöD oder kirchlichen Tarifen. Diese Tarifverträge legen Mindestgehälter und Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit fest, was das Gesamteinkommen erhöhen kann. Grundsätzlich gilt: Die Pflege ist kein Niedriglohnsektor mehr. Politische Reformen und Tarifbindung haben die Gehälter in den vergangenen Jahren spürbar verbessert.

Bin ich für die Pflege geeignet, auch ohne Vorkenntnisse?

Ja, Sie können auch ohne Vorkenntnisse in die Pflege einsteigen. Die formalen Zugangsvoraussetzungen für eine Pflegeausbildung sind bewusst niedrig gehalten: Ein Hauptschulabschluss oder ein gleichwertiger Schulabschluss reicht in der Regel aus. Alternativ kann eine abgeschlossene Berufsausbildung den Einstieg ermöglichen, auch wenn kein Schulabschluss vorliegt.

Neben den formalen Voraussetzungen spielen persönliche Eigenschaften eine wichtige Rolle. Für die Pflege geeignet sind Menschen, die:

  • Freude am Umgang mit anderen Menschen haben
  • Einfühlungsvermögen und Geduld mitbringen
  • zuverlässig und verantwortungsbewusst arbeiten
  • körperlich und gesundheitlich belastbar sind
  • ausreichende Deutschkenntnisse besitzen, um Pflegedokumentation zu führen und mit Patienten zu kommunizieren

Das Alter spielt keine entscheidende Rolle. Quereinsteiger in den 30ern, 40ern oder auch 50ern sind in der Pflege willkommen. Viele Bildungsträger bieten Beratungsgespräche an, in denen Sie herausfinden können, welcher Einstiegsweg am besten zu Ihrer Lebenssituation passt. Wer sich unsicher ist, ob die Pflege das Richtige ist, kann außerdem Praktika oder kurze Orientierungskurse nutzen, um erste Eindrücke zu sammeln, bevor eine längere Ausbildung beginnt.

Pflegeberufe mit dem VHS-Bildungswerk starten

Wir begleiten Menschen, die neu in die Pflege einsteigen möchten, von der ersten Orientierung bis zum staatlich anerkannten Abschluss. Unser Institut für Pflegeberufliche Bildung bietet Ausbildungen und Umschulungen an zwei Standorten in Thüringen an: die Pflegeausbildung in Gotha sowie die Pflegeausbildung in Leinefelde. Beide Standorte sind nach ISO 9001 und AZAV zertifiziert, sodass Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit und des Jobcenters anerkannt werden.

Das bieten wir Ihnen konkret:

  • Grundständige Ausbildung zur Pflegefachkraft (3 Jahre) mit jährlichem Starttermin am 1. September
  • Umschulung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann für Quereinsteiger und Berufswechsler, nutzbar mit Bildungsgutschein
  • Ausbildung zur Pflegefachassistenz (ab 2027 bundesweit einheitlich geregelt)
  • Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb in einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus
  • Weiterbildungsmöglichkeiten für bereits tätige Pflegekräfte, zum Beispiel zur verantwortlichen Pflegekraft oder zum Praxisanleiter

Wenn Sie wissen möchten, welcher Weg für Sie persönlich am besten passt, sprechen Sie uns gerne an. Wir helfen Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen: Beratungsgespräch vereinbaren.

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