Quereinstieg in die Pflege: Welche Möglichkeiten gibt es?

Jessica Koch ·
Erwachsener in Alltagskleidung übt Pflegetechniken mit Pflegetrainer in hellem klinischen Schulungsraum, Stethoskop auf Tisch.

Für einen Quereinstieg in die Pflege gibt es mehrere bewährte Wege: eine vollständige Umschulung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, eine kürzere Ausbildung zur Pflegefachassistenz oder der Einstieg über Helferberufe in der Alten- oder Krankenpflege. Der Pflegebereich gehört zu den wenigen Branchen, in denen Quereinsteiger aktiv gesucht werden und staatliche Förderung über einen Bildungsgutschein die Umschulung häufig kostenfrei ermöglicht. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Berufsbilder, Voraussetzungen, Dauer, Finanzierung und Gehalt.

Welche Pflegeberufe eignen sich für einen Quereinstieg?

Für einen Quereinstieg in die Pflege eignen sich vor allem drei Berufsbilder: Pflegefachmann oder Pflegefachfrau (generalistisch, drei Jahre), Pflegefachassistenz (ein bis zwei Jahre) sowie Altenpflegehelfer oder Altenpflegehelferin. Diese Berufe sind ausdrücklich für Personen ohne Pflegevorbildung zugänglich und werden durch staatliche Förderprogramme unterstützt.

Pflegefachmann und Pflegefachfrau

Die generalistische Pflegeausbildung ist der umfassendste Einstieg in den Pflegeberuf. Absolventen sind nach dem Abschluss in der Altenpflege, der Krankenpflege und der Kinderkrankenpflege einsetzbar. Die Ausbildung dauert drei Jahre und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Für Quereinsteiger ist dieser Weg besonders attraktiv, weil der Abschluss bundesweit anerkannt ist und vielfältigen Arbeitgebern offensteht.

Pflegefachassistenz

Die Pflegefachassistenz ist die bundesweit einheitliche Nachfolgerin bisheriger Helferausbildungen wie Pflegehelfer, Altenpflegehelfer, Krankenpflegehelfer und Pflegeassistent. Diese verschiedenen landesspezifischen Abschlüsse werden schrittweise durch das neue, einheitliche Berufsbild abgelöst. Die Ausbildung ist kürzer als die Pflegefachausbildung und bietet einen schnellen, praxisnahen Einstieg. Wer später aufsteigen möchte, kann die Ausbildung zur Pflegefachkraft anschließen, wobei Vorleistungen angerechnet werden können.

Altenpflegehelfer über Externenprüfung

Wer bereits mehrjährige Erfahrung in einer Pflegeeinrichtung gesammelt hat, kann die Berufsbezeichnung Altenpflegehelfer oder Altenpflegehelferin auch über eine Externenprüfung erwerben. Voraussetzung ist entweder eine mindestens dreijährige ununterbrochene Tätigkeit in einer Pflegeeinrichtung oder eine fünfjährige Tätigkeit mit Unterbrechungen innerhalb von zehn Jahren. Ein Vorbereitungskurs ist für die Prüfungsanmeldung zwingend erforderlich.

Welche Voraussetzungen braucht man für eine Umschulung in die Pflege?

Für eine Umschulung in der Pflege benötigen Sie in der Regel einen Hauptschulabschluss oder einen gleichwertigen Schulabschluss, alternativ eine abgeschlossene Berufsausbildung. Hinzu kommen gesundheitliche und persönliche Eignung sowie ausreichende Deutschkenntnisse. In begründeten Einzelfällen kann auch eine positive Prognose der Pflegeschule zum Ausbildungserfolg als Zugangsvoraussetzung anerkannt werden.

Konkret bedeutet das: Ein Abitur oder ein höherer Schulabschluss ist nicht erforderlich. Wichtiger als formale Bildungsabschlüsse sind Zuverlässigkeit, Empathie und die körperliche Belastbarkeit für den Pflegealltag. Wer bereits in einem anderen Beruf gearbeitet hat, bringt oft wertvolle Lebens- und Arbeitserfahrung mit, die in der Pflege ein echter Vorteil ist.

Zusätzlich zum Schulplatz an einer Pflegeschule benötigen Sie für die duale Ausbildung zur Pflegefachkraft auch einen Ausbildungsplatz bei einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus. Viele Bildungsträger unterstützen Sie aktiv bei der Suche nach einem geeigneten Praxispartner.

Wie lange dauert eine Umschulung in der Pflege?

Eine Umschulung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann dauert in der Regel rund drei Jahre, umfasst aber als Vollzeitmaßnahme insgesamt etwa 4.600 Stunden, davon rund 2.500 Stunden Praktikum. Kürzere Wege in die Pflege, etwa zur Pflegefachassistenz, sind in ein bis zwei Jahren möglich.

Die Umschulung zur Pflegefachkraft erstreckt sich über 151 Wochen. Die Lernfelder decken ein breites Spektrum ab: Bewegung und Selbstversorgung, Gesundheitsförderung und Prävention, kurative Pflegeprozesse, Akutsituationen, rehabilitatives Pflegehandeln, Begleitung in der letzten Lebensphase, Entwicklung und Gesundheit in Kindheit und Jugend sowie die Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und kognitiven Beeinträchtigungen.

Wer bereits eine verwandte Ausbildung abgeschlossen hat oder Vorqualifikationen nachweisen kann, kann unter Umständen eine Verkürzung der Ausbildung beantragen. Die Entscheidung darüber trifft die zuständige Pflegeschule im Einzelfall.

Wie wird eine Pflegeumschulung finanziert?

Eine geförderte Umschulung in der Pflege lässt sich über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters vollständig finanzieren. Der Bildungsgutschein übernimmt die Lehrgangskosten sowie in vielen Fällen auch Unterhaltsleistungen, Fahrtkosten und Kinderbetreuungskosten. Voraussetzung ist, dass die Maßnahme nach AZAV zertifiziert ist.

Bildungsgutschein: So funktioniert die Förderung

Den Bildungsgutschein erhalten Sie bei drohender Arbeitslosigkeit oder wenn Sie sich beruflich neu orientieren möchten. Sie beantragen ihn persönlich bei Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter. Wenn Sie die individuellen Voraussetzungen erfüllen und eine AZAV-zertifizierte Maßnahme wählen, übernimmt der Gutschein die Kosten für Ihre Weiterbildung vollständig. Die Umschulung zur Pflegefachkraft ist eine solche AZAV-zertifizierte Maßnahme und damit mit einem Bildungsgutschein kostenlos nutzbar.

Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte

Wer noch in einem Beschäftigungsverhältnis ist und sich in Richtung Pflege weiterentwickeln möchte, kann unter Umständen vom Qualifizierungschancengesetz profitieren. Dieses Gesetz fördert die berufliche Weiterbildung von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unabhängig von Alter, Qualifikation oder Betriebsgröße. Die Agentur für Arbeit übernimmt dabei bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten sowie Zuschüsse zum Arbeitsentgelt während der Qualifizierung. Antragsteller ist in diesem Fall der Arbeitgeber. Auskünfte erteilt der lokale Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit.

Was verdient man als Quereinsteiger in der Pflege?

Als Quereinsteiger in der Pflege liegt das Einstiegsgehalt nach abgeschlossener Umschulung zur Pflegefachkraft je nach Bundesland, Träger und Tarifvertrag in der Regel zwischen 2.800 und 3.500 Euro brutto monatlich. Pflegehilfskräfte und Pflegefachassistenten verdienen zu Beginn etwas weniger, haben aber ebenfalls gute Perspektiven für Gehaltserhöhungen mit wachsender Erfahrung.

Wichtig zu wissen: In vielen Pflegeeinrichtungen gelten Tarifverträge, etwa der TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) oder kirchliche Tarife, die das Gehalt verbindlich regeln und regelmäßige Steigerungen vorsehen. Wer sich nach einigen Jahren weiterqualifiziert, etwa zur verantwortlichen Pflegekraft oder zum Praxisanleiter, kann deutlich höhere Gehälter erzielen.

Hinzu kommen in vielen Einrichtungen Zulagen für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste, die das Gesamteinkommen spürbar erhöhen können. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels in der Pflege steigen die Gehälter branchenweit weiter an.

Wie findet man den richtigen Bildungsträger für den Quereinstieg in die Pflege?

Den richtigen Bildungsträger für eine Pflegeumschulung erkennen Sie vor allem an der AZAV-Zulassung, dem konkreten Kursangebot und der Möglichkeit, die Maßnahme mit einem Bildungsgutschein zu finanzieren. Achten Sie außerdem auf die Qualität der Praxisstellen, die Betreuung durch erfahrene Lehrkräfte und die Anerkennung des Abschlusses durch zuständige Behörden.

Konkret sollten Sie bei der Auswahl folgende Punkte prüfen:

  • AZAV-Zertifizierung: Nur AZAV-zugelassene Träger können Bildungsgutscheine annehmen. Ohne diese Zulassung ist eine staatliche Förderung nicht möglich.
  • Staatlich anerkannte Abschlüsse: Der Abschluss sollte bundesweit oder zumindest landesweit anerkannt sein, damit er Ihnen auf dem Arbeitsmarkt wirklich nützt.
  • Praxisnetzwerk: Ein gutes Netzwerk an Pflegeeinrichtungen erleichtert die Suche nach einem Ausbildungsplatz erheblich.
  • Individuelle Betreuung: Gerade für Quereinsteiger ist eine persönliche Begleitung durch Lehrkräfte mit Praxiserfahrung ein wichtiger Faktor für den Erfolg.
  • Flexible Lernformate: Teilzeitangebote oder hybride Unterrichtsformen können besonders für Menschen mit familiären Verpflichtungen relevant sein.

Sprechen Sie vor der Anmeldung unbedingt mit Ihrer Agentur für Arbeit oder Ihrem Jobcenter, um zu klären, ob Sie die Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein erfüllen. Erst danach wählen Sie einen zugelassenen Träger aus und beantragen den Gutschein für die konkrete Maßnahme.

Quereinstieg in die Pflege mit dem VHS-Bildungswerk

Wir vom VHS-Bildungswerk begleiten Quereinsteiger auf dem Weg in die Pflege mit konkreten, geförderten Angeboten an unseren Pflegeschulen in Thüringen. Über unser Institut für pflegeberufliche Bildung in Gotha sowie unseren Standort in Leinefelde bieten wir praxisnahe Ausbildungen und Umschulungen an, die direkt auf den Pflegealltag vorbereiten.

Was wir Ihnen konkret anbieten:

  • Umschulung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit 4.600 Stunden, davon 2.500 Stunden Praktikum, nutzbar mit Bildungsgutschein
  • Ausbildung zur Pflegefachassistenz mit bundesweit anerkanntem Abschluss, AZAV-zertifiziert und förderfähig
  • Vorbereitungskurs Pflegehilfe (200 Theoriestunden) für die Externenprüfung zur Berufsbezeichnung Altenpflegehelfer oder Altenpflegehelferin
  • Weiterqualifizierungen für bereits tätige Pflegekräfte, etwa zur verantwortlichen Pflegekraft oder zum Praxisanleiter
  • Individuelle Beratung zur Finanzierung über Bildungsgutschein oder andere Förderwege
  • Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz in einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus

Wenn Sie wissen möchten, welcher Weg in die Pflege zu Ihrer Situation passt, vereinbaren Sie gerne ein Beratungsgespräch mit uns. Wir helfen Ihnen, die nächsten Schritte konkret zu planen.

Ähnliche Artikel