Eine Umschulung zum Tischler dauert in der Regel zwei Jahre. Das ist kürzer als die reguläre Berufsausbildung, die drei Jahre umfasst, weil Umschülerinnen und Umschüler als Erwachsene bereits allgemeine Lernkompetenzen und oft auch praktische Vorerfahrungen mitbringen. Im Folgenden beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um Dauer, Inhalte, Finanzierung und Jobchancen.
Wie unterscheidet sich die Umschulungsdauer von der regulären Ausbildung?
Die Tischler-Umschulung dauert zwei Jahre, während die reguläre Berufsausbildung zum Tischler drei Jahre in Anspruch nimmt. Die Verkürzung um ein Jahr ist gesetzlich vorgesehen: Erwachsene bringen Vorkenntnisse, Lebenserfahrung und eine höhere Lerngeschwindigkeit mit, sodass der Stoff komprimierter vermittelt werden kann, ohne an Qualität zu verlieren.
Inhaltlich wird dabei nichts weggelassen. Die Umschulung deckt denselben Lehrplan ab wie die klassische Ausbildung und schließt mit denselben Prüfungen vor der zuständigen Handwerkskammer ab. Das Ergebnis ist ein vollwertiger, staatlich anerkannter Berufsabschluss als Tischler oder Tischlerin, der auf dem Arbeitsmarkt genauso anerkannt wird wie ein Abschluss nach einer dreijährigen Ausbildung.
Wichtig zu wissen: Die genaue Dauer kann je nach Bildungsträger und individuellen Voraussetzungen leicht variieren. Wer bereits handwerkliche Erfahrung oder eine verwandte Vorausbildung mitbringt, kann in manchen Fällen eine weitere Verkürzung beantragen.
Welche Inhalte werden in der Tischler-Umschulung vermittelt?
Die Tischler-Umschulung vermittelt alle Kernkompetenzen des Berufs: von der Holzbearbeitung und Oberflächenbehandlung über den Umgang mit Maschinen und Werkzeugen bis hin zur Planung und Fertigung von Möbeln, Fenstern, Türen und Innenausbauelementen. Theorie und Praxis wechseln sich dabei eng verzahnt ab.
Konkret lernen Umschülerinnen und Umschüler unter anderem:
- Holzkunde: Eigenschaften, Arten und Verwendungsmöglichkeiten verschiedener Holzsorten
- Maschinenführung: sicherer Umgang mit Sägen, Fräsen, Hobelmaschinen und CNC-Anlagen
- Werkstoffkunde: Platten, Furniere, Verbundwerkstoffe und Klebstoffe
- Konstruktion und Planung: technisches Zeichnen und Aufmaß
- Oberflächenbehandlung: Schleifen, Lackieren, Ölen und Beizen
- Montage und Einbau: Einbau von Möbeln, Türen und Fenstern beim Kunden
- Arbeitssicherheit und Umweltschutz
Neben den handwerklichen Fertigkeiten gehören auch kaufmännische Grundlagen zum Lehrplan, etwa Kalkulation und Kundenkommunikation. Die Ausbildung findet sowohl in Lehrwerkstätten als auch in Betrieben statt, je nach Träger und Modell der Umschulung.
Wer kann eine Umschulung zum Tischler machen?
Eine Umschulung zum Tischler steht grundsätzlich allen Erwachsenen offen, die einen ersten Berufsabschluss haben oder die Schule abgeschlossen haben und ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen, wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen nicht mehr ausüben können oder wollen. Voraussetzung ist in der Regel, dass man arbeitssuchend ist oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist.
Körperliche Eignung spielt beim Tischlerberuf eine Rolle: Die Arbeit ist handwerklich und körperlich aktiv. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte vorab mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter klären, ob der Beruf geeignet ist. Ein ärztliches Gutachten kann dabei hilfreich sein.
Für die staatliche Förderung über einen Bildungsgutschein gelten zusätzliche Voraussetzungen. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter prüft dabei, ob die Umschulung die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt realistisch verbessert und ob der angestrebte Beruf in der Region gefragt ist.
Wie wird die Umschulung zum Tischler finanziert?
Die Tischler-Umschulung kann über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters vollständig finanziert werden. Der Bildungsgutschein übernimmt die Lehrgangskosten und in vielen Fällen auch Fahrtkosten oder Kosten für Arbeitsmittel. Während der Umschulung erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiterhin Arbeitslosengeld I oder II.
So funktioniert der Weg zur Förderung Schritt für Schritt:
- Beratungsgespräch vereinbaren: Wenden Sie sich an Ihre zuständige Agentur für Arbeit oder Ihr Jobcenter und schildern Sie Ihre berufliche Situation.
- Eignung prüfen lassen: Der Vermittler oder die Vermittlerin beurteilt, ob eine Umschulung sinnvoll und förderbar ist.
- Bildungsgutschein beantragen: Wenn die Fördervoraussetzungen erfüllt sind, erhalten Sie einen Bildungsgutschein, der auf einen bestimmten Berufsbereich und eine Region ausgestellt ist.
- AZAV-zugelassenen Träger wählen: Mit dem Gutschein können Sie sich bei einem zugelassenen Bildungsträger anmelden. Wichtig: Der Träger muss nach AZAV zertifiziert sein, damit der Gutschein akzeptiert wird.
- Umschulung starten: Nach der Anmeldung beginnt die Maßnahme zum vereinbarten Termin.
Wer keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann in manchen Fällen über das Aufstiegs-BAföG oder andere Förderprogramme der Länder Unterstützung erhalten. Es lohnt sich, alle Optionen im Beratungsgespräch anzusprechen.
Was verdient man nach einer Tischler-Umschulung?
Nach einer abgeschlossenen Tischler-Umschulung liegt das Einstiegsgehalt je nach Region, Betrieb und Tarifbindung typischerweise zwischen 2.000 und 2.800 Euro brutto im Monat. Mit zunehmender Berufserfahrung und Spezialisierung steigt das Gehalt deutlich an.
Tischlerinnen und Tischler, die sich auf bestimmte Bereiche spezialisieren, etwa Innenausbau, Restaurierung oder CNC-Technik, können überdurchschnittliche Gehälter erzielen. Auch eine Weiterbildung zum Tischlermeister öffnet den Weg in Führungspositionen oder die Selbstständigkeit und erhöht das Einkommenspotenzial erheblich.
In Regionen mit starker Bautätigkeit und Handwerksnachfrage, wie sie in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen zu finden sind, sind gut ausgebildete Tischler besonders gefragt, was sich positiv auf die Verhandlungsposition bei Gehaltsgesprächen auswirkt.
Wie gut sind die Jobchancen für umgeschulte Tischler?
Die Jobchancen für ausgebildete Tischlerinnen und Tischler sind aktuell gut. Das Tischlerhandwerk leidet wie viele andere Handwerksberufe unter einem spürbaren Fachkräftemangel, sodass Betriebe aktiv nach qualifizierten Mitarbeitenden suchen. Wer eine abgeschlossene Umschulung vorweisen kann, hat auf dem Arbeitsmarkt eine solide Ausgangslage.
Besonders gefragt sind Tischler in folgenden Bereichen:
- Möbel- und Küchenbau
- Fenster- und Türenmontage
- Innenausbau und Ladenbau
- Restaurierung und Denkmalpflege
- Industrie und Serienfertigung
Auch die Selbstständigkeit ist nach einer Tischler-Umschulung ein realistischer Weg, sofern man zusätzlich den Meistertitel anstrebt. Wer flexibel ist und bereit ist, sich weiterzuentwickeln, findet im Tischlerhandwerk langfristig stabile Beschäftigungsmöglichkeiten.
Wie das VHS-Bildungswerk bei der Umschulung zum Tischler unterstützt
Wir beim VHS-Bildungswerk begleiten Sie auf dem Weg in einen neuen Beruf: praxisnah, verlässlich und mit dem nötigen Fachwissen. Als AZAV-zugelassener Bildungsträger können wir Maßnahmen anbieten, die über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters finanziert werden.
Das bieten wir Ihnen konkret:
- AZAV-zertifizierte Umschulungen: Unsere Maßnahmen sind staatlich anerkannt und werden von den Förderstellen akzeptiert.
- Persönliche Beratung: Wir helfen Ihnen dabei zu klären, welche Förderung für Sie in Frage kommt und wie Sie den Antrag stellen.
- Standorte in der Region: Wir sind an mehr als 25 Standorten in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen aktiv und damit nah an Ihrem Wohnort.
- Praxisorientierte Ausbildung: Unsere Umschulungen verbinden Theorie und Praxis so, dass Sie nach dem Abschluss direkt im Betrieb einsteigen können.
- Begleitung durch den gesamten Prozess: Von der ersten Frage bis zum Abschluss stehen wir Ihnen als Ansprechpartner zur Seite.
Wenn Sie wissen möchten, ob eine Tischler-Umschulung bei uns der richtige nächste Schritt für Sie ist, freuen wir uns auf ein Beratungsgespräch.