Wie wird man Tischler oder Schreiner?

Jessica Koch ·
Tischler-Azubi hobelt sorgfältig eine Holzplanke an der Werkbank, frische Späne kräuseln sich, helle Werkstatt im Hintergrund.

Tischler oder Schreiner zu werden, gelingt über eine klassische duale Berufsausbildung, die in der Regel drei Jahre dauert. Wer bereits im Berufsleben steht oder einen Neustart plant, kann den Beruf auch über eine geförderte Umschulung erlernen. In diesem Artikel beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um Ausbildung, Einstiegsvoraussetzungen, Verdienst und Karrierechancen.

Was ist der Unterschied zwischen Tischler und Schreiner?

Tischler und Schreiner bezeichnen denselben Beruf. Der einzige Unterschied liegt in der regionalen Bezeichnung: In Norddeutschland und Ostdeutschland spricht man von Tischlern, in Süddeutschland und der Schweiz von Schreinern. Die Ausbildungsinhalte, der Berufsabschluss und die Tätigkeiten sind identisch.

Beide Berufsbezeichnungen beschreiben Fachkräfte, die Möbel, Fenster, Türen, Treppen und Innenausbauten aus Holz und Holzwerkstoffen planen, fertigen und montieren. Ob jemand als Tischler oder Schreiner ausgebildet wurde, spielt auf dem Arbeitsmarkt keine Rolle. Arbeitgeber in Bayern stellen genauso Tischler ein, wie Betriebe in Sachsen-Anhalt Schreiner beschäftigen würden.

Welche Voraussetzungen braucht man für eine Tischlerausbildung?

Für die Tischlerausbildung gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Schulabschluss. In der Praxis stellen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Wichtiger als der Abschluss sind handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Sorgfalt im Umgang mit Materialien und Maschinen.

Folgende Eigenschaften und Kenntnisse sind für den Einstieg nützlich:

  • Handwerkliches Interesse: Freude am Arbeiten mit Holz, Werkzeug und Maschinen
  • Technisches Verständnis: Grundkenntnisse in Mathematik und Geometrie helfen beim Messen, Berechnen und Planen
  • Sorgfalt und Geduld: Präzises Arbeiten ist im Tischlerhandwerk täglich gefragt
  • Körperliche Belastbarkeit: Das Heben und Tragen von Holzplatten und Bauteilen gehört zum Berufsalltag
  • Teamfähigkeit: Viele Projekte werden gemeinsam im Team oder direkt beim Kunden umgesetzt

Ein Praktikum in einem Tischlereibetrieb vor der Bewerbung ist eine gute Möglichkeit, den Beruf kennenzulernen und den eigenen Ausbildungsplatz zu finden.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Tischler oder Schreiner?

Die Tischlerberufsausbildung dauert regulär drei Jahre. Sie findet im dualen System statt, das heißt: Auszubildende lernen an zwei Orten gleichzeitig. Im Ausbildungsbetrieb erwerben sie praktische Fertigkeiten, in der Berufsschule theoretisches Fachwissen zu Holzkunde, Konstruktion, Arbeitssicherheit und Betriebswirtschaft.

Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich die Ausbildungszeit verkürzen. Wer einen sehr guten Schulabschluss mitbringt oder bereits einschlägige Vorkenntnisse nachweisen kann, kann die Ausbildung auf zweieinhalb oder sogar zwei Jahre reduzieren. Das entscheidet der Ausbildungsbetrieb gemeinsam mit der zuständigen Handwerkskammer.

Die Ausbildung schließt mit einer Gesellenprüfung ab, die aus einem praktischen und einem theoretischen Teil besteht. Nach bestandener Prüfung darf man sich offiziell Tischlergeselle oder Tischlergesellin nennen.

Kann man Tischler auch als Erwachsener über eine Umschulung werden?

Ja, eine Tischlerumschulung ist für Erwachsene möglich und wird häufig von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter gefördert. Wer arbeitslos ist oder von Arbeitslosigkeit bedroht wird, kann über einen Bildungsgutschein eine anerkannte Umschulung zum Tischler finanzieren lassen. Die Umschulung dauert in der Regel zwei Jahre und endet ebenfalls mit einer staatlich anerkannten Abschlussprüfung.

Der Weg zur geförderten Umschulung läuft typischerweise so ab:

  1. Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter
  2. Prüfung der persönlichen Eignung und des Bedarfs auf dem Arbeitsmarkt
  3. Ausstellung eines Bildungsgutscheins durch den Sachbearbeiter
  4. Auswahl eines zugelassenen Bildungsträgers, der die Umschulung anbietet
  5. Beginn der Umschulung beim gewählten Träger

Wichtig: Der Bildungsgutschein muss vor dem Start der Maßnahme ausgestellt werden. Wer bereits mit einer Umschulung begonnen hat, kann im Nachhinein keine Förderung mehr beantragen. Bildungsträger, die Umschulungen anbieten, müssen nach AZAV zugelassen sein, damit der Bildungsgutschein akzeptiert wird.

Wie viel verdient man als ausgebildeter Tischler?

Als ausgebildeter Tischler oder Schreiner liegt das Einstiegsgehalt nach der Gesellenprüfung je nach Region und Betrieb zwischen etwa 2.000 und 2.600 Euro brutto im Monat. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt das Gehalt spürbar an. Tischler mit mehreren Jahren Praxis oder einer Meisterqualifikation können deutlich mehr verdienen.

Während der Ausbildung erhalten Auszubildende eine Ausbildungsvergütung, die sich nach Ausbildungsjahr und Tarifvertrag richtet. Im ersten Ausbildungsjahr sind es häufig zwischen 500 und 800 Euro monatlich, im dritten Jahr entsprechend mehr. Die genauen Beträge variieren je nach Bundesland und Betrieb.

Wer als Tischler in spezialisierten Bereichen wie Innenausbau, Restaurierung historischer Möbel oder im Bereich Fensterbau tätig ist, kann durch die Spezialisierung sein Gehalt zusätzlich verbessern.

Welche Karrieremöglichkeiten hat man nach der Tischlerausbildung?

Nach der Tischlerberufsausbildung stehen mehrere Wege offen. Der häufigste nächste Schritt ist die Meisterprüfung, die zur selbstständigen Betriebsführung berechtigt und die Grundlage für die Ausbildung eigener Lehrlinge legt. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten zur Weiterbildung als Techniker, zum Studium oder zur Spezialisierung in bestimmten Handwerksbereichen.

Meister und Selbstständigkeit

Der Tischlermeister ist die klassische Aufstiegsqualifikation im Handwerk. Mit dem Meistertitel darf man einen eigenen Betrieb führen, Auszubildende anleiten und nimmt oft leitende Positionen in größeren Unternehmen ein. Die Meisterausbildung dauert je nach Vollzeit oder Teilzeit zwischen einem und zwei Jahren.

Techniker und Studium

Wer einen akademischeren Weg bevorzugt, kann nach der Gesellenprüfung den staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Holztechnik absolvieren. Alternativ ermöglicht die Gesellenprüfung in vielen Bundesländern den Zugang zu einem Fachhochschulstudium, zum Beispiel in Holztechnik, Innenarchitektur oder Produktdesign. Diese Wege verbinden handwerkliche Praxis mit technischem oder gestalterischem Fachwissen.

Wie das VHS-Bildungswerk bei der Tischler-Umschulung unterstützt

Wir beim VHS-Bildungswerk begleiten Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren und einen anerkannten Abschluss im Tischlerhandwerk anstreben. Als AZAV-zugelassener Bildungsträger können wir Umschulungen anbieten, die über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters finanziert werden.

Das bieten wir konkret:

  • AZAV-zugelassene Umschulungen: Unsere Maßnahmen sind staatlich anerkannt und werden von den Förderstellen akzeptiert
  • Praxisnahe Ausbildung: Wir verbinden theoretisches Fachwissen mit handwerklicher Praxis
  • Begleitung durch den Förderprozess: Wir helfen Ihnen zu verstehen, welche Unterlagen und Schritte für den Bildungsgutschein nötig sind
  • Standorte in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen: Mit mehr als 25 Standorten sind wir regional gut erreichbar
  • Individuelle Beratung: Wir schauen gemeinsam mit Ihnen, welches Angebot zu Ihrer Situation passt

Wenn Sie wissen möchten, ob eine Tischler-Umschulung bei uns der richtige nächste Schritt für Sie ist, freuen wir uns auf ein Beratungsgespräch.

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