Wie läuft eine Anschläger-Unterweisung in der Praxis ab?

Jessica Koch ·
Ausbilder in Warnweste zeigt Krananhebung mit schwerer Last in Industriehalle, Auszubildender mit Schutzhelm beobachtet aufmerksam.

Eine Anschläger-Unterweisung läuft in der Praxis als Kombination aus theoretischem Unterricht und praktischen Übungen ab. Die genaue Dauer und der Umfang richten sich nach den eingesetzten Lastaufnahme- und Anschlagmitteln, der Komplexität der Anschlagarbeiten und den Vorkenntnissen der Teilnehmenden. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Ablauf, Inhalte und rechtliche Anforderungen der Unterweisung.

Was wird bei einer Anschläger-Unterweisung vermittelt?

Bei einer Anschläger-Unterweisung werden sowohl theoretische Kenntnisse als auch praktische Fertigkeiten im sicheren Umgang mit Lastaufnahme- und Anschlagmitteln vermittelt. Ziel ist es, dass Anschläger Lasten so befestigen und transportieren können, dass weder sie selbst noch andere Personen im Transportbereich gefährdet werden.

Die Inhalte orientieren sich an den Vorgaben der DGUV Informationen 209-013 und 209-021 sowie an der DGUV Vorschrift 1. Konkret umfasst die Unterweisung folgende Themenbereiche:

  • Ermitteln des Gewichts der Last und der Schwerpunktlage
  • Auswahl geeigneter Lastaufnahme- und Anschlagmittel
  • Tragfähigkeit von Anschlagmitteln in Abhängigkeit von Strangzahl, Anschlagart und Neigungswinkel
  • Anschlagarten: direkt, Schnürgang und Hängegang
  • Sicherung gegen unbeabsichtigtes Aushängen
  • Zeichengebung und Verständigung mit dem Maschinenführer
  • Verhalten beim Anschlagen, Anheben und Transport
  • Verhalten beim Absetzen und Lösen der Anschlagmittel
  • Aufbewahrung und Pflege von Lastaufnahme- und Anschlagmitteln
  • Erkennen der Ablegereife von Anschlagmitteln

Besonders wichtig ist das Thema Verständigung: Lasten dürfen erst auf eindeutiges Zeichen der anschlagenden oder einweisenden Person bewegt werden. Wenn mehrere Personen am Anschlagvorgang beteiligt sind, muss eine verantwortliche Person bestimmt werden, die allein das Signal zum Bewegen der Last gibt und sicherstellt, dass alle Beteiligten den Gefahrenbereich verlassen haben.

Wie lange dauert eine Anschläger-Unterweisung?

Die Dauer einer Anschläger-Unterweisung ist nicht einheitlich festgelegt, sondern hängt von mehreren Faktoren ab. Maßgeblich sind die Komplexität und das Risiko der auszuführenden Anschlagarbeiten, die eingesetzten Lastaufnahme- und Anschlagmittel, die Vorkenntnisse der Teilnehmenden sowie die Anzahl der Lehrgangsteilnehmenden.

Einfachere Anschlagarbeiten mit standardisierten Mitteln können in einem kürzeren Zeitrahmen abgedeckt werden. Bei komplexen Arbeiten, zum Beispiel der Montage von Bauteilen in Anlagen und an Maschinen, ist eine deutlich umfangreichere Qualifizierung notwendig, weil die Sicherheit der Beschäftigten unmittelbar vom sicheren Anschlagen der Last abhängt. Die DGUV-Regelwerke enthalten in Anhang B Tabellen mit Beispielen für den inhaltlichen und zeitlichen Umfang, die als Orientierung dienen.

Wichtig: Die Qualifizierung von Anschlägerinnen und Anschlägern geht über die reguläre Unterweisung nach § 4 der DGUV Vorschrift 1 hinaus. Sie trägt Merkmale einer fachlichen Ausbildung mit theoretischen Kenntnissen, praktischen Fertigkeiten und einer Lernerfolgskontrolle.

Welche praktischen Übungen gehören zur Anschläger-Unterweisung?

Der praktische Teil der Anschläger-Unterweisung umfasst alle Tätigkeiten, die Anschläger im Arbeitsalltag tatsächlich ausführen. Dabei geht es nicht nur darum, Handgriffe zu erlernen, sondern auch darum, Risiken in realen Situationen einzuschätzen und richtig zu reagieren.

Typische praktische Übungseinheiten sind:

  • Bestimmen des Gewichts und der Schwerpunktlage einer Last vor dem Anschlagen
  • Auswählen und Prüfen der geeigneten Anschlagmittel auf sichtbare Mängel
  • Anschlagen von Lasten in den drei Anschlagarten: direkt, Schnürgang und Hängegang
  • Üben der korrekten Zeichengebung und Kommunikation mit dem Kranführer
  • Kontrolliertes Anheben, Transportieren und Absetzen von Lasten
  • Lösen der Anschlagmittel nach dem Absetzen
  • Ordnungsgemäße Aufbewahrung der Anschlagmittel nach dem Einsatz

Beim Schnürgang beispielsweise werden die Anschlagmittel um die Last gelegt und die freien Enden durch das jeweilige Gegenende nach oben geführt. Dabei ist zu beachten, dass die Tragfähigkeit im Schnürgang höchstens 80 Prozent der Tragfähigkeit in der direkten Anschlagart beträgt. Solche praxisrelevanten Unterschiede werden im praktischen Teil direkt erfahrbar gemacht.

Wer darf eine Anschläger-Unterweisung durchführen?

Eine Anschläger-Unterweisung darf nur von Personen durchgeführt werden, die über die notwendige fachliche Kompetenz verfügen. Das bedeutet: Die unterweisende Person muss die relevanten Vorschriften, Betriebsanleitungen und Sicherheitsregeln kennen und in der Lage sein, sowohl theoretische Inhalte zu vermitteln als auch praktische Übungen fachgerecht anzuleiten.

Auf Seiten der Teilnehmenden legt die DGUV-Vorschrift klare Voraussetzungen fest, bevor jemand selbstständig als Anschläger beauftragt werden darf:

  • Die Person muss mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Sie muss körperlich und geistig für die Aufgabe geeignet sein.
  • Sie muss die erforderliche Qualifizierung abgeschlossen und die Befähigung nachgewiesen haben.
  • Es muss zu erwarten sein, dass sie die übertragenen Aufgaben zuverlässig erfüllt.

Personen unter 18 Jahren dürfen zu Ausbildungszwecken unter ständiger Aufsicht erfahrener und beauftragter Anschläger tätig sein. Die Beauftragung selbst sollte schriftlich erteilt werden, auch wenn das gesetzlich nicht in jedem Fall zwingend vorgeschrieben ist. Eine schriftliche Beauftragung schützt sowohl den Arbeitgeber als auch den Anschläger und schafft klare Verantwortlichkeiten.

Welches Zertifikat erhält man nach der Anschläger-Unterweisung?

Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Anschläger-Unterweisung erhalten Teilnehmende eine Dokumentation, die den Abschluss der Qualifizierung bestätigt. Diese Bescheinigung muss den inhaltlichen und zeitlichen Umfang der Qualifizierung sowie die bestandene Lernerfolgskontrolle nachweisen.

Es gibt kein einheitlich standardisiertes Zertifikat mit festem Namen, das branchenweit vorgeschrieben ist. Entscheidend ist, dass die Dokumentation alle relevanten Angaben enthält: Was wurde vermittelt, wie lange dauerte die Qualifizierung, und hat die Person die Lernerfolgskontrolle bestanden. Diese Unterlagen sind wichtig, weil Arbeitgeber verpflichtet sind, die Qualifizierung ihrer Anschläger nachzuweisen.

Die Bescheinigung dient außerdem als Grundlage für die schriftliche Beauftragung durch den Arbeitgeber. Ohne diesen Nachweis darf eine Person rechtlich nicht selbstständig mit dem Anschlagen von Lasten beauftragt werden.

Was passiert, wenn die Anschläger-Unterweisung nicht durchgeführt wird?

Wenn die Anschläger-Unterweisung nicht durchgeführt wird, darf der Arbeitgeber die betreffende Person rechtlich nicht mit dem selbstständigen Anschlagen von Lasten beauftragen. Verstöße gegen diese Pflicht können bei Unfällen zu erheblichen rechtlichen und finanziellen Konsequenzen für den Arbeitgeber führen.

Die Pflicht zur Qualifizierung ergibt sich aus der DGUV Vorschrift 1 und der Betriebssicherheitsverordnung. Arbeitgeber sind verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen und deren Wirksamkeit zu prüfen. Die Qualifizierung der Anschläger ist ein zentraler Bestandteil dieser Maßnahmen.

Konkrete Risiken bei fehlender Unterweisung sind:

  • Unfälle durch falsch angeschlagene Lasten, die abstürzen oder unkontrolliert pendeln
  • Haftung des Arbeitgebers bei Personenschäden oder Sachschäden
  • Bußgelder und behördliche Auflagen bei Kontrollen durch die Berufsgenossenschaft
  • Verlust des Versicherungsschutzes der Berufsgenossenschaft bei grober Fahrlässigkeit

Auch die Anschlagmittel selbst müssen regelmäßig geprüft werden. Werden bei einer Prüfung sicherheitsrelevante Mängel festgestellt, darf das Anschlagmittel nicht weiterverwendet werden, bis die Mängel behoben sind. Fehlt die Qualifizierung der Anschläger, werden solche Mängel häufig gar nicht erkannt, was das Unfallrisiko zusätzlich erhöht.

Wie das VHS-Bildungswerk bei der Unterweisung von Anschlägern unterstützt

Wir wissen, dass Unternehmen bei der Organisation von Pflichtunterweisungen oft unter Zeitdruck stehen und gleichzeitig sicherstellen müssen, dass alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind. Genau hier setzen wir an.

Unsere Unterweisung für Anschläger in Gotha vermittelt alle vorgeschriebenen Inhalte praxisnah und vollständig, von der Theorie bis zur Lernerfolgskontrolle. Das VHS-Bildungswerk bietet dabei konkrete Vorteile:

  • Qualifizierung nach den Vorgaben der DGUV Vorschrift 1 und den einschlägigen DGUV Informationen
  • Kombination aus theoretischem Unterricht und praktischen Übungseinheiten
  • Dokumentation des Abschlusses inklusive inhaltlichem und zeitlichem Umfang
  • Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 und AZAV-Zulassung als Qualitätsnachweis
  • Erfahrung aus über 30 Jahren Bildungsarbeit in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen

Wenn Sie Fragen zur Durchführung, zu Terminen oder zu maßgeschneiderten Lösungen für Ihr Unternehmen haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf. Wir helfen Ihnen dabei, die Qualifizierung Ihrer Anschläger rechtssicher und unkompliziert zu organisieren.

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