Wer im Betrieb Lasten mit Hebezeugen bewegt, trägt eine große Verantwortung. Anschläger sorgen dafür, dass Lasten sicher befestigt, transportiert und abgesetzt werden. Klingt technisch, ist aber vor allem eine Frage der richtigen Qualifikation. Denn wer diese Aufgabe ohne ausreichende Kenntnisse übernimmt, gefährdet sich selbst und andere.
Dieser Artikel erklärt, was Anschläger im Betrieb genau tun, welche gesetzlichen Anforderungen gelten, was eine anerkannte Anschläger-Qualifikation ausmacht und wie Arbeitgeber die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden konkret umsetzen können. Die Abschnitte bauen aufeinander auf, von der Grundlage bis zur praktischen Umsetzung.
Was ist ein Anschläger und welche Aufgaben gehören dazu?
Ein Anschläger ist eine Person, die Lasten für den Transport mit Hebezeugen vorbereitet und sichert. Der Begriff klingt ungewöhnlich, beschreibt aber eine klar definierte Tätigkeit: das fachgerechte Befestigen von Lasten an Lastaufnahme- und Anschlagmitteln wie Ketten, Seilen, Schlingen oder Traversen.
Die Aufgaben gehen dabei über das bloße Befestigen hinaus. Anschläger müssen die gesamte Transportkette im Blick behalten, von der Vorbereitung bis zum Absetzen der Last. Konkret gehören dazu:
- Auswahl geeigneter Lastaufnahme- und Anschlagmittel für den jeweiligen Einsatz
- Sicherung gegen unbeabsichtigtes Aushängen während des Transports
- Zeichengebung und Verständigung mit dem Maschinenführer oder der Maschinenführerin
- Überwachung des Anhebens und Transports der Last
- Sicheres Absetzen und Lösen der Anschlagmittel
- Erkennen von Verschleiß und Ablegereife bei Anschlagmitteln
- Ordnungsgemäße Aufbewahrung der Anschlagmittel nach dem Einsatz
Ein wichtiger Punkt, der oft unterschätzt wird: Wenn mehrere Personen am Anschlagvorgang beteiligt sind, muss eine verantwortliche Person bestimmt werden. Nur diese gibt das Zeichen zum Bewegen der Last, und zwar erst dann, wenn die Last sicher angeschlagen ist und alle Personen den Gefahrenbereich verlassen haben. Diese klare Kommunikationsstruktur ist kein bürokratisches Detail, sondern eine direkte Unfallschutzmaßnahme.
Welche gesetzlichen Grundlagen regeln die Qualifikationspflicht?
Die Qualifikationspflicht für Anschläger ist nicht optional. Sie ergibt sich aus mehreren verbindlichen Regelwerken, die zusammen einen klaren Rahmen bilden.
Die zentrale Grundlage ist die DGUV Regel 109-017 (Betreiben von Lastaufnahmemitteln und Anschlagmitteln im Hebezeugbetrieb), herausgegeben von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Sie legt fest, wie Lastaufnahme- und Anschlagmittel sicher betrieben werden müssen, und definiert die Anforderungen an Personen, die diese Aufgaben übernehmen. Ergänzend gilt die DGUV Regel 100-500, die ausdrücklich vorschreibt: Wer Lastaufnahmeeinrichtungen bedient, muss über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Hinzu kommt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), die Arbeitgeber verpflichtet, Art, Umfang und Fristen der Prüfung von Arbeitsmitteln zu ermitteln und sicherzustellen, dass nur qualifizierte Personen mit diesen Arbeitsmitteln umgehen. Auch die Maschinenverordnung spielt eine Rolle, da Lastaufnahme- und Anschlagmittel den zum Zeitpunkt ihrer Bereitstellung geltenden Rechtsvorschriften entsprechen müssen, einschließlich CE-Kennzeichnung und EG-Konformitätserklärung.
Kurz gesagt: Wer im Betrieb Anschläger einsetzt, ohne deren Qualifikation nachgewiesen zu haben, verstößt gegen mehrere Vorschriften gleichzeitig und trägt im Schadensfall die volle Verantwortung.
Anforderungen an eine anerkannte Anschläger-Qualifikation
Eine anerkannte Anschläger-Qualifikation setzt sowohl persönliche Voraussetzungen als auch fachliche Lerninhalte voraus. Beides muss erfüllt sein, damit die Qualifikation ihre Gültigkeit hat.
Persönliche Voraussetzungen
Für die Teilnahme an einer Anschläger-Ausbildung gelten folgende Mindestanforderungen:
- Mindestalter von 18 Jahren
- Gesundheitliche Eignung gemäß Grundsatz G25 (Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten)
- Ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache, um Anweisungen und Sicherheitshinweise zu verstehen
Fachliche Lerninhalte
Die Qualifizierung vermittelt praxisnahes Wissen, das direkt im Betrieb angewendet werden kann. Typische Inhalte einer anerkannten Anschläger-Weiterbildung umfassen:
- Auswahl und Beurteilung von Lastaufnahme- und Anschlagmitteln
- Sicherung gegen Herabfallen der Last
- Verhalten beim Anschlagen, Anheben und Transport
- Zeichengebung und Verständigung mit dem Maschinenführer
- Erkennen der Ablegereife von Anschlagmitteln
- Vermeidung von Schäden an Anschlagmitteln
- Aufbewahrung und Pflege der Anschlagmittel
Ein Anschläger-Zertifikat, das auf Basis dieser Inhalte ausgestellt wird, dokumentiert die erworbenen Kenntnisse und dient Arbeitgebern als Nachweis gegenüber Berufsgenossenschaften und Aufsichtsbehörden. Wichtig: Die Qualifikation ist keine einmalige Angelegenheit. Regelmäßige Unterweisungen sind notwendig, um das Wissen aktuell zu halten und auf veränderte Betriebsbedingungen zu reagieren.
Pflichten des Arbeitgebers bei der Qualifizierung von Anschlägern
Aufbauend auf den gesetzlichen Grundlagen, die im vorherigen Abschnitt beschrieben wurden, trägt der Arbeitgeber konkrete Pflichten, wenn es um den Einsatz von Hebezeug-Anschlägern im Betrieb geht.
Die wichtigste Pflicht: Arbeitgeber dürfen nur solche Lastaufnahme- und Anschlagmittel zur Verfügung stellen und verwenden lassen, die unter Berücksichtigung der vorgesehenen Einsatzbedingungen sicher sind. Das bedeutet auch, dass nur qualifizierte Personen diese Mittel einsetzen dürfen.
Darüber hinaus sind Arbeitgeber verpflichtet:
- Prüfungen zu organisieren: Lastaufnahme- und Anschlagmittel müssen vor der ersten Verwendung, in regelmäßigen Abständen und nach besonderen Ereignissen wie Schadensfällen oder Instandsetzungsarbeiten von einer zur Prüfung befähigten Person kontrolliert werden.
- Prüfnachweise zu dokumentieren: Die Ergebnisse jeder Prüfung müssen aufgezeichnet und mindestens bis zur nächsten Prüfung aufbewahrt werden.
- Mängel konsequent zu beheben: Werden bei einer Prüfung sicherheitsrelevante Mängel festgestellt, darf das betroffene Anschlagmittel nicht weiterverwendet werden, bis die Mängel behoben sind.
- Betriebsanweisungen bereitzustellen: Für einen sicheren Betrieb müssen schriftliche Betriebsanweisungen vorliegen, die auf die konkreten betrieblichen Gegebenheiten zugeschnitten sind.
- Wartung und Instandsetzung zu regeln: Diese Arbeiten dürfen nur von Personen durchgeführt werden, die die dafür notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen.
Kurz gesagt: Die Verantwortung für einen sicheren Anschläger-Betrieb liegt nicht allein bei den Mitarbeitenden. Arbeitgeber sind aktiv gefordert, Strukturen zu schaffen, die sicheres Arbeiten überhaupt erst ermöglichen.
Qualifikation organisieren: So gelingt die betriebliche Umsetzung
Wer die gesetzlichen Anforderungen kennt und die Pflichten des Arbeitgebers versteht, steht vor der praktischen Frage: Wie setzt man das im Betrieb konkret um? Die gute Nachricht ist, dass die Qualifizierung von Anschlägern gut planbar ist, wenn man strukturiert vorgeht.
Schritt 1: Bedarfsanalyse im Betrieb
Zunächst sollte geklärt werden, welche Mitarbeitenden Anschläger-Tätigkeiten ausüben oder künftig ausüben sollen. Dabei ist auch zu prüfen, ob bestehende Qualifikationen noch aktuell sind oder aufgefrischt werden müssen. Nicht jede Person, die gelegentlich eine Last befestigt, ist automatisch als qualifizierter Anschläger einzustufen. Die Tätigkeitsbeschreibung ist hier der entscheidende Ausgangspunkt.
Schritt 2: Geeigneten Bildungsträger auswählen
Eine Anschläger-Ausbildung sollte bei einem anerkannten Bildungsträger absolviert werden, der die Inhalte gemäß DGUV-Vorgaben vermittelt. Achten Sie dabei auf:
- Zertifizierung des Anbieters nach AZAV oder DIN EN ISO 9001
- Praxisorientierte Ausbildungsinhalte mit Bezug zur DGUV Regel 109-017
- Ausstellung eines anerkannten Anschläger-Zertifikats nach Abschluss
- Flexible Terminangebote, die sich mit dem Betriebsalltag vereinbaren lassen
Schritt 3: Dokumentation und Wiederholung einplanen
Nach der Qualifizierung ist die Arbeit nicht getan. Prüfnachweise müssen systematisch abgelegt werden. Außerdem sollten Unternehmen regelmäßige Unterweisungen fest in den Jahresplan integrieren, zum Beispiel bei Änderungen der Arbeitsmittel, nach Unfällen oder in festgelegten Intervallen. So bleibt das Wissen der Anschläger aktuell und die betriebliche Sicherheit dauerhaft gewährleistet.
Ein häufiger Fehler in der Praxis: Unternehmen organisieren eine einmalige Schulung und betrachten das Thema damit als erledigt. Qualifikation ist jedoch kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess, der mit den Anforderungen des Betriebs wächst.
Wie das VHS-Bildungswerk bei der Anschläger Qualifikation unterstützt
Wir wissen, dass die Organisation von Pflichtqualifikationen im Betriebsalltag oft zwischen anderen Aufgaben untergeht. Genau hier setzen wir an. Das VHS-Bildungswerk bietet praxisnahe Unterweisungen für Anschläger an, die auf den Vorgaben der DGUV aufbauen und direkt auf den betrieblichen Einsatz vorbereiten.
Was wir konkret anbieten:
- Unterweisungen nach DGUV Regel 109-017 mit allen relevanten Lerninhalten für den sicheren Anschläger-Betrieb
- Ausstellung eines anerkannten Zertifikats nach erfolgreichem Abschluss der Qualifizierung
- Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 und AZAV-Zulassung als Qualitätsnachweis
- Erfahrung in der betrieblichen und überbetrieblichen Qualifizierung an mehr als 25 Standorten in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen
- Flexible Kursformate, die sich mit dem Betriebsalltag vereinbaren lassen
Wenn Sie wissen möchten, welches Angebot für Ihren Betrieb am besten passt, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Nehmen Sie einfach Kontakt auf, wir beraten Sie unkompliziert und ohne Umwege.
Ähnliche Artikel
- Was ist eine modulare Weiterbildung in der Lagerlogistik?
- Jahresunterweisung für Kranführer im Betrieb: Wie organisiert man das?
- Lohnt sich ein Staplerschein?
- Was kostet eine Gabelstaplerfahrerausbildung?
- Wie viel Geld verdient man als Staplerfahrer in Deutschland?
Dieser Inhalt wurde mithilfe von KI erstellt und kann Fehler enthalten.