Welche Qualifikationen braucht ein Anschläger?

Jessica Koch ·
Rigger in Warnweste und Schutzhelm befestigt Lastketten an einem Stahlträger auf einer Industriebaustelle.

Ein Anschläger braucht keine formale Berufsausbildung, aber eine anerkannte Unterweisung ist gesetzlich vorgeschrieben. Wer Lasten mit Kran oder Hebezeug transportiert, muss nachweisen, dass er die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, um Personen und Material nicht zu gefährden. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Tätigkeiten, Voraussetzungen, Zertifikate und Weiterbildungsmöglichkeiten im Anschläger-Beruf.

Welche Aufgaben übernimmt ein Anschläger im Arbeitsalltag?

Ein Anschläger ist dafür zuständig, Lasten sicher an Hebezeuge anzuschlagen, den Transport zu begleiten und die Lastaufnahme- sowie Anschlagmittel fachgerecht einzusetzen und zu prüfen. Die Tätigkeit erfordert technisches Verständnis, Konzentration und klare Kommunikation mit dem Maschinenführer.

Im Arbeitsalltag umfassen die Tätigkeiten eines Anschlägers konkret folgende Aufgaben:

  • Auswahl geeigneter Lastaufnahme- und Anschlagmittel je nach Last und Umgebungsbedingungen
  • Sichtprüfung der Anschlagmittel vor dem Einsatz auf erkennbare Mängel oder Beschädigungen
  • Anschlagen der Last in der richtigen Anschlagart, zum Beispiel direkt, im Schnürgang oder Hängegang
  • Sicherung gegen unbeabsichtigtes Aushängen während des Transports
  • Zeichengebung und Verständigung mit dem Kranführer oder der Kranführerin
  • Überwachung des Transportwegs und Absicherung des Gefahrenbereichs
  • Fachgerechtes Absetzen der Last und Lösen der Anschlagmittel
  • Ordnungsgemäße Aufbewahrung der Anschlagmittel nach dem Einsatz

Besonders wichtig ist die Wahl der richtigen Anschlagart. Beim direkten Anschlagen verbindet das Anschlagmittel die Anschlagpunkte der Last direkt mit dem Hebezeug. Im Schnürgang darf die Tragfähigkeit höchstens 80 Prozent des Direktanschlags betragen. Der Hängegang ist nur unter bestimmten Bedingungen zulässig, etwa wenn ein Verrutschen oder Schrägstellen der Last zuverlässig ausgeschlossen ist.

Hinzu kommt die Verantwortung für die Lagerung der Anschlagmittel. Ketten und Seile werden hängend in Gestellen aufbewahrt, geschützt vor Witterungseinflüssen wie UV-Strahlung, Feuchtigkeit oder aggressiven Stoffen wie Säuren und Laugen.

Welche gesetzlichen Voraussetzungen gelten für Anschläger?

Gemäß der DGUV-Regel 100-500 müssen Personen, die Lastaufnahmeeinrichtungen bedienen, über nachgewiesene Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Unternehmer sind verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und sicherzustellen, dass nur qualifizierte Personen mit dem Anschlagen beauftragt werden.

Für die Aufnahme einer Tätigkeit als Anschläger gelten folgende gesetzliche Mindestvoraussetzungen:

  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Gesundheitliche Eignung: nachgewiesen gemäß arbeitsmedizinischem Grundsatz G25
  • Sprachkenntnisse: ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache, um Anweisungen und Sicherheitshinweise zu verstehen
  • Unterweisung: nachgewiesene Qualifizierung gemäß DGUV-Vorschrift 1 und DGUV-Regel 100-500

Arbeitgeber dürfen außerdem nur Lastaufnahme- und Anschlagmittel bereitstellen, die den geltenden Rechtsvorschriften entsprechen, einschließlich der Maschinenverordnung und der Betriebssicherheitsverordnung. Dazu gehören eine EG-Konformitätserklärung, das CE-Zeichen und eine vollständige Betriebsanleitung. Wer als Anschläger tätig ist, trägt ebenfalls Verantwortung: Anschlagmittel mit erkennbaren Mängeln oder Funktionsstörungen dürfen nicht verwendet werden.

Welches Zertifikat braucht ein Anschläger?

Ein Anschläger benötigt eine anerkannte Unterweisung, die auf der DGUV Information 209-013 basiert. Diese Qualifizierung wird durch einen Nachweis dokumentiert und bestätigt, dass die Person die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für das sichere Anschlagen von Lasten besitzt. Ein staatlich anerkannter Berufsabschluss ist nicht erforderlich.

Das Anschläger-Zertifikat ist kein Führerschein im klassischen Sinne, sondern ein Qualifizierungsnachweis, der folgende Themenbereiche abdeckt:

  • Auswahl und Prüfung von Lastaufnahme- und Anschlagmitteln
  • Anschlagarten und deren korrekte Anwendung
  • Zeichengebung und Kommunikation mit dem Maschinenführer
  • Erkennen der Ablegereife von Anschlagmitteln
  • Verhalten beim Absetzen und Lösen der Anschlagmittel
  • Lagerung und Pflege der Anschlagmittel

Dieser Nachweis wird vom Arbeitgeber dokumentiert und muss auf Verlangen von Behörden oder der Berufsgenossenschaft vorgelegt werden können. Die Qualifizierung ist zeitlich begrenzt gültig und sollte regelmäßig aufgefrischt werden, insbesondere wenn sich Arbeitsbedingungen oder eingesetzte Anschlagmittel ändern.

Wie läuft eine Anschläger-Ausbildung ab?

Eine Anschläger-Ausbildung ist eine strukturierte Unterweisung, die theoretische Grundlagen mit praktischen Übungen verbindet. Sie dauert in der Regel ein bis zwei Tage und schließt mit einer Lernerfolgskontrolle ab, nach der die Teilnehmenden einen Qualifizierungsnachweis erhalten.

Theoretischer Teil

Im theoretischen Teil lernen die Teilnehmenden die rechtlichen Grundlagen kennen, insbesondere die DGUV-Vorschrift 1, die DGUV-Regel 100-500 und die relevanten DGUV-Informationen. Themen sind unter anderem die Tragfähigkeit verschiedener Anschlagmittel, die Belastungstabellen nach DGUV Information 209-021 sowie die Anforderungen an Kennzeichnung und Prüfung der Anschlagmittel.

Praktischer Teil

Im praktischen Teil üben die Teilnehmenden das korrekte Anschlagen unter realen oder simulierten Bedingungen. Dazu gehören die Sichtprüfung der Anschlagmittel, das Anschlagen in verschiedenen Anschlagarten sowie die Zeichengebung gegenüber dem Kranführer. Besonderes Augenmerk liegt auf dem sicheren Umgang mit langen, schlanken Gütern und Lasten mit besonderen Gefährdungen.

Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden einen Nachweis, den der Arbeitgeber in der Personalakte dokumentiert. Voraussetzung für die Teilnahme sind das Mindestalter von 18 Jahren, die gesundheitliche Eignung nach G25 und ausreichende Deutschkenntnisse.

Welche Weiterbildungen sind für erfahrene Anschläger sinnvoll?

Für erfahrene Anschläger sind regelmäßige Auffrischungsunterweisungen sinnvoll, ebenso wie Qualifizierungen als Kranführer, Gabelstaplerfahrer oder in der Arbeitssicherheit. Wer mehr Verantwortung übernehmen möchte, kann sich zur Fachkraft für Arbeitssicherheit oder zur beauftragten Person für Betriebssicherheit weiterbilden.

Konkret bieten sich folgende Weiterbildungswege an:

  • Auffrischungsunterweisung Anschläger: Empfohlen alle ein bis zwei Jahre oder bei Änderungen der Arbeitsbedingungen und eingesetzten Anschlagmittel
  • Kranführerschein: Erweiterung der Tätigkeit auf die Bedienung von Kränen, zum Beispiel Turmdrehkran oder Fahrzeugkran
  • Gabelstaplerführerschein: Ergänzende Qualifikation für innerbetriebliche Transportaufgaben
  • Unterweisung für Prüfer von Anschlagmitteln: Für Personen, die wiederkehrende Prüfungen von Lastaufnahme- und Anschlagmitteln durchführen sollen
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit: Für Anschläger, die in Betrieben Verantwortung für Sicherheitskonzepte übernehmen möchten

Erfahrene Anschläger, die in der Ausbildung anderer tätig werden wollen, können sich außerdem als Ausbilder qualifizieren. Gerade in Branchen mit hohem Fachkräftebedarf, wie dem Baugewerbe, der Logistik oder der Industrie, ist die Kombination aus praktischer Erfahrung und formaler Qualifikation ein klarer Vorteil auf dem Arbeitsmarkt.

Wie das VHS Bildungswerk bei der Anschläger-Qualifikation unterstützt

Wir beim VHS Bildungswerk bieten praxisnahe Unterweisungen für Anschläger an, die den gesetzlichen Anforderungen der DGUV-Regel 100-500 entsprechen und direkt auf den Berufsalltag vorbereiten. Unser Angebot richtet sich sowohl an Berufseinsteiger als auch an erfahrene Fachkräfte, die ihre Qualifikation auffrischen oder erweitern möchten.

  • Anerkannte Unterweisung für Anschläger mit Qualifizierungsnachweis gemäß DGUV Information 209-013
  • Kombination aus Theorie und Praxis in einem kompakten Format
  • Erfahrene Trainerinnen und Trainer mit Branchenkenntnis
  • Durchführung an mehreren Standorten in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen
  • Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 und AZAV-Zulassung als Qualitätsnachweis

Das VHS Bildungswerk begleitet Sie von der ersten Unterweisung bis hin zu weiterführenden Qualifizierungen. Wenn Sie Fragen zu unserem Angebot haben oder wissen möchten, welche Weiterbildung zu Ihrer Situation passt, nehmen Sie gerne Kontakt auf.

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